Bürger Quintilian Dalrymple ist schockiert. Er hat schon so einiges durchgemacht in seinem Leben, das ihn in die heißen Tage des Edinburgh von 2025 geführt hat. Er überstand die Unruhen, als sich die schottische Stadt selbstständig erklärte, von dem in Anarchie verfallenden Königsreich. Er half mit als die Direktoren die Macht übernahmen und Gesetz und Ordnung installierten in einer Welt, in der die Ressourcen immer knapper wurden. Er schuf als Ordnungshelfer Ruhe und Gerechtigkeit und ertrug die Degradierung zum Normalbürger als seine Überzeugung sich nicht mit denen der Protektoren der Stadt deckten. Seit dem arbeitet er als einziger offizieller Investigator, als eine Art Privatdetektiv, der jedoch immer wieder in die Belange der Stadtregierung einbezogen wird. Aber wo waren wir?
Quint - wie ihn seine Freunde nennen - ist schockiert, denn jemand hat das "Wasser des Lebens" den Whisky vergiftet und einen ehemaligen Ordnungshelfer ermordet. Dabei hätte der Investigator doch auch so genug zu tun, schließlich ist gleichzeitig der Gewinner der Edlott, jener Lotterie, die den Einwohnern Edinburghs ein klein wenig Hoffnung und Glückseligkeit suggeriert, spurlos verschwunden. Für die Stadtoberen eine Katastrophe, denn vergifteter Whisky verjagt die wichtigste Einnahmequelle der Stadt: die Touristen, die durch Freizügigkeit in der schottischen Stadt angelockt werden. Die Touristen erhalten Sex, Drogen und vor allen Whisky, während für die Normalbürger in der Großen Hitze des Sommers sogar das Wasser rationalisiert ist. Sie sind die Devisenbringer und sollen sich in Edinburgh sicher fühlen. Bisher konnten sie das auch, denn die Kriminialität ist in der durch und durch kontrollierten Gemeinde niedrig und Mord eine absolute Seltenheit.
Quint glaubt nicht an Zufälle und zwei gravierende Merkwürdigkeiten gleichzeitig scheinen ihm zwingend miteinander verstrickt. Dabei täuscht er sich auch nicht, doch das Bindeglied zu finden, fällt nicht einfach und es bleibt auch nicht bei dem einem Toten

Der Roman ist unterhaltsam, spannend und flüssig zu lesen. Doch bevor ich weiter auf den Inhalt eingehe, muss ich doch ein Wort über die Tippfehler verlieren, die sich eingeschlichen haben. Auch ist der Lapsus auf Seite 73 mit der Namensverwechslung auf den Ausweispapieren recht lästig. Insgesamt hätte ein wenig mehr Sorgfalt dem Buch gut getan.
Der Inhalt ist durchaus ansprechend, auch wenn es irritiert, dass das geschilderte Zukunftsszenario so nahe angesiedelt ist, so dass sich manche Ereignisse sogar auf das Jahr 2003 beziehen, in dem ich das Buch gelesen haben (herausgegeben in Deutschland 2002 und im Original 1999). Die dreijährige Verzögerung zwischen Originalausgabe und deutscher Übersetzung wird deutlich spürbar. Doch ist dies nicht die erste Utopie, die durch die Zeit überholt wurde und man sollte sich davon nicht abhalten lassen. Das schräge Szenario einer durchorganisierten Stadt in einem anarchischen Umfeld ist gelungen und die Schilderung der knappen Versorgungsgüter in der Sommerhitze nicht unglaubwürdig. Der Kriminalfall dürfte auch für verwöhnte Krimi-Leser ansprechend sein, denn er ist schlüssig und muss sich nicht verstecken. Insgesamt also eine gelungene Mischung zwischen Utopie und Krimi, die nur durch kleine Nebensächlichkeiten an Lesevergnügen verliert.

(jpk)