Osten Ard - Band 2
Der Abschiedsstein
Die Verbündeten von Prinz Josua verbarrikadierten sich in der
Festung Naglimund und schickten den jungen Simon zusammen mit dem Troll Binabik
und ihre Gefährten gen Norden, auf die Suche nach dem legendären
Schwert Thorn, das einst dem Ritter Camaris-sá-Vinitta
gehörte. Miriamele, die Nichte des Prinzen, nutzte das Chaos der
Vorbereitungen auf die bevorstehende Belagerung durch die Armeen des
neuen Kaisers Elias, um sich zusammen mit dem Priester
Cadrach heimlich nach
Nabban aufzumachen, wo sie nach Verbündeten für den anscheinend
hoffnungslosen Krieg suchen wollte.
Die Festung wird jedoch von den den Norns überrannt und nur wenige
Anhänger Josuas können dem brutalen Angriff der Unsterblichen
entfliehen. Währenddessen gerät die von Binabik angeführte Gruppe,
der sich auch Jiriki, der Prinz der Sithi, angeschlossen hat,
kurz nachdem sie Thorn fanden, in einen weiteren Hinterhalt Ingen
Jeggers.
Der heftige Kampf wird durch den unerwarteten Angriff des durch den
Lärm und der Präsenz des Schwertes geweckten Eisdrachen
Igjarjuk so plötzlich beendet wie er begann. Die Überlebenden des
Scharmützels werden von
den freundlichen Qanuc aufgenommen; jedoch wird Binabik aufgrund seiner nicht
wahrgenommenen Pflichten gegenüber seiner Verlobten eingekerkert, um
zusammen mit Sludig, der als Rimmersman zu den Erzfeinden der Trolle
gehört, hingerichtet zu werden.
Die Prinzessin Miriamele gerät in die Klauen des verbrecherischen
Fürsten Streáwe von Perdruin, der wider Erwarten verspricht, sie
zu dem freundlich gesinnten Priester Dinivan zu bringen. Auch wenn
jede Hoffnung verloren zu sein scheint, zieht es die mutigen Rebellen
zum Abschiedsstein, der ihnen in ihren Träumen immer wieder erscheint.
Der zweite Teil der Saga befasst sich mehr mit den umfangreichen Mythen
von Osten Ard als mit den weltlichen Dingen, die im ersten Band
umfassend beschrieben wurden. So tauchen immer häufiger Sithi, Norns
und Qanuc auf, die die meisten der Charaktere nur aus Legenden kannten, die kaum jemand
auch nur ansatzweise für wahr hielt.
Die häufig vorkommenden Traumsequenzen, die meist über mehrere Seiten
gehen, können einen unaufmerksamen Leser leicht verwirren und ergeben
manchmal erst einige Kapitel später oder gar am Ende der ganzen Saga
einen Sinn.
Die märchenhaften Erzählungen wechseln sich rasant mit überraschenden, heftigen Kämpfen und
ausführlichen Beschreibungen von Tod und Verderben, die über das einst prachtvolle
Land ziehen, ab. So baut Williams eine ungewöhnliche Spannung auf, die
einen schon fast dazu bringt, ganze Passagen zu überspringen, nur um zu
erfahren, was an einem bestimmten Ort als nächstes geschieht.
Williams versteht es ebenfalls die Verzweiflung der Überlebenden
des Naglimund-Massakers darzustellen und auch die Neugier und
Abenteuerlust des jungen Simon Snowlock, der immernoch unter dem
tragischen Tod von Doktor Morgenes leidet, glaubhaft zu vermitteln.
Der Abschiedsstein übertraf meine Erwartungen bei weitem. Der erste Teil der Saga baute die Spannung langsam auf und Williams schaffte es, diese den zweiten Teil über aufrechtzuerhalten und die zahlreichen und interessanten Charaktere noch besser darzustellen. Das Werk ist eine gelungene Fortsetzung, die man nur zu gerne in einem Stück verschlingen würde. Für jeden der den ersten Teil bereits gelesen hat ist dies demnach ein Muss.
(pms)