Bekannt war sie schon vorher, so richtig berühmt wurde sie durch den Bestseller Die Nebel von Avalon: Fantasy-Autorin Marion Zimmer Bradley. Die Amerikanerin begibt sich auf die Fährte einer der ältesten Fantasy-Geschichten überhaupt - der Artussage. In neuen Gewändern präsentiert sie alte Gesichter. Morgaine, Viviane, Artus, Lancelot und Gwenhwyfar tauchen erneut auf der Bühne auf, um den Aufstieg und Fall des Britischen Reichs zum besten zu geben. Natürlich sind auch Camelot, die Ritter der Tafelrunde, Excalibur und der heilige Gral mit von der Partie. Obwohl Bradley der hinlänglich bekannten und ausreichend abgegrasten Geschichte bemerkenswerte Frische verleiht, verbirgt sich ihr Geschick in einem anderen Kunstgriff: die Sage von König Artus und seinen Rittern wird ausschließlich aus der Sicht von Frauen erzählt. Hauptsächlich treten dabei Artus’ Schwester Morgaine und seine Frau Gwenhwyfar als vermittelnde Figuren in Erscheinung. Die Neuinterpreation der einzelnen Charaktere distanziert sich von den legendären Sagengestalten, wie man sie kennt. Stattdessen wirken die Handelnden oft verletzlich und unsicher - eben so menschlich und vertraut, dass der Leser mit ihnen leiden kann. Wie die Geschichte schließlich endet, ist kein Geheimnis: die Ritter der Tafelrunde trennen sich, Camelot wird erobert, Artus stirbt durch die Hand seines Sohnes, Britannien versinkt im Krieg.

Leider hat Marion Zimmer Bradley über die Idee hinaus, die Artuslegende von Frauen zu erzählen, wenig Neues zu bieten. Der Mittelteil des recht umfangreichen Buches plätschert gemütlich dahin und beschäftigt sich mit Liebeleien, kurzweiligen Abenteuern und bereitet sehr lange das bittere Ende vor. Die Spannung gerät dabei leider ins Stocken, lebt jedoch gegen Ende wieder auf. Die Nebel von Avalon ist ein gutes Buch für einen (langen) Strandurlaub. Freunde rasanter und mitreißender Fantasy-Literatur sollten vielleicht lieber woanders nach neuem Lesefutter suchen.

(chr)