Wohl jeder hat schon einmal von dem uralten Rollenspielsystem Advanced Dungeons & Dragons gehört, oder zumindest von seinem Vorgänger D&D. Seit der ersten Veröffentlichung dieser wundersamen Welt hat sich eine Menge verändert, die Helden kämpfen nun nicht nur noch in Verließen sondern erobern die Wüsten anderer Welten,  jagen Vampiren hinterher oder gehen einer völlig anderen Beschäftigung nach. Auf jeden Fall vergrößerte sich das Angebot ungemein. Aber im Grunde hat sich nicht viel am System verändert, die Spieler spielen das Gute oder verkörpern das Böse und versuchen ihre Fertigkeiten zu ihrem oder eines anderen Nutzen einzusetzen, wie eh und je. Da sich die Welten von AD&D stark unterscheiden ist eine allgemeine Besprechung im Bezug auf die Hintergründe recht schwierig. Sicherich hat jeder schon einmal ein auf AD&D-Regeln basierendes Rollenspiel am PC gespielt, ohne es zu wissen (Eye of the Beholder-Trilogie, Pool of Radiance, Baldurs Gate, Ravenloft usw.). Daher gehen wir ersteinmal auf das allgemeine Regelsystem, dessen Effektivität und so weiter ein und widmen unsere Aufmerksamkeit danach den einzelnen Welten, um ihre Geschichte zu erzählen.

Das Regelsystem und die Charaktere

Wer schon einmal ein Rollenspiel gespielt hat, wird nicht viel neues finden, denn wie gewohnt bestehen Charaktere hauptsächlich aus ihren Attributen und ihren Fertigkeiten (Wenn man die Hintergrundgeschichte und den Charakter des Charakters mal außenvor läßt). Zum Festlegen der sechs Attribute (Stärke, Geschicklichkeit, Konstitution, Weisheit, Intelligenz und Charisma), werden einige Methoden beschrieben. Einige davon überlassen den Charakter die völlige Wahl, während wiederrum andere die Generierung dem Zufall überlassen und dem Spieler so den Weg zum gewollten Charakter versperren können, die Methode ist aber jedem selbst überlassen.

Ebenso darf sich der Spieler seine Rasse aussuchen, vorausgesetzt er besitzt die nötigen Attribute. Zur Auswahl stehen die zum größten Teil üblichen Rassen, der Mensch, der Zwerg, der Elf, der Gnom, der Halbling und der Halb-Elf. Einige Rassen bringen ein paar Vorteile mit sich, wie zum Beispiel Infravision oder Resistenz gegen bestimmte Gifte, wobei einige dieser Kreaturen auch Nachteile haben, wie zum Beispiel ihre geringe Größe, die im Kampf gegen größere Gegner schnell zum Nachteil wird.

Mensch-
Wie man es aus den meisten Rollenspielen gewohnt ist, bildet der Mensch hier den Durchschnitt und hat so eigentlich keine Vor- oder Nachteile.
Zwerg-
Diese "putzigen" Wesen sind eher von grimmiger Natur und leben die meiste Zeit unter der Erde. Deshalb haben sie einige Vorteile, wenn sie sich in Tunnelsystemen befinden. Aufgrund dieser Begebenheit haben sie die seltene Fähigkeit einer schwachen Infrarotsicht, die sie sogar in totaler Finsternis durch die verschlungensten Gänge führen kann. Ihrem kräftigen, "kompakten" Körperbau haben sie es zu verdanken, daß viele Gifte ihnen nichts anhaben können, denn ihr Abwehrsystem ist gut trainiert.
Elf-
Auch hier stellen die Elfen die noble, weise nahezu unsterbliche Rasse dar. Die Arroganz, die mit dem Wissen kommt, hat aber schon oft dazu geführt, daß ihre sehr lange Lebenserwartung rapide verkürzt wurde.
Gnom-
Wie ihre Verwandten die Zwerge leben auch sie unter der Erde, hegen aber keinen Abscheu gegen offenes Gelände und sind daher wesentlich freier.
Halblinge-
Wahrscheinlich kennt jeder Rollenspieler J.R.R. Tolkiens Hobbits aus "Herr der Ringe" oder "Der kleine Hobbit". Denn Halblinge sind nichts anderes als diese kleinen Wesen, die auch unter der Erde leben und nur ungern den Schutz ihrer gemütlichen Wohnungen verlassen und unter keinen Umständen Schuhe anziehen.
Halb-Elf-
Diese Mischung aus Mensch und Elf wird nur in den wenigsten Elfenkreisen geduldet, dafür finden sie aufgrund ihrer geerbten elfischen Schönheit schnellen Anschluß in der menschlichen Gesellschaft.

Die Klasse, sozusagen der Beruf, des Charakters, ist abhängig von den Attributen und der Rasse des Charakters, wobei er sich bei mehrern Möglichkeiten selbstverständlich eine aussuchen darf. Aber nur dabei soll es nicht bleiben, denn es kann gut sein, daß der Charakter noch die Mölichkeit hat, sich eine weitere Klasse, wenn nicht sogar bis zu drei Klassen auszusuchen. Zur Auswahl stehen der typische Kämpfer, der Waldläufer, der Magier, der Kleriker, der Dieb, der Paladin, der Barde und einige spezielle Charaktere, auf die wir zu einem späteren Zeitpunkt eingehen werden.

Kämpfer-
Hierbei handelt es sich um jemanden, der sein Leben dem Kampf widmet und versucht, seine Kampftechniken zu perfektionieren. (siehe die Box "Kämpfer & Diebe")
Waldläufer-
Viele Waldläufer sind in der Wildnis aufgewachsen oder aus unterschiedlichsten Gründen in diese geflohen, um dort in Frieden leben zu können. Während dieser Jahre haben sie gelernt zu Jagen, zu Überleben, wurden Meister des Bogens oder ähnliches. (siehe die Box "Kämpfer & Diebe")
Magier-
Ein Magier hat sein Leben der Forschung verschrieben und ist ewig auf der Suche nach neuen Zaubern, um seine Macht zu erweitern. (siehe die Box "Magier & Priester")
Kleriker-
Die meisten Kleriker folgen einer bestimmten Gottheit und versuchen, ihre Pflichten treu zu erfüllen. Aber nicht jedem "Heiligen" sollte man trauen, denn viele nutzen die Macht ihrer Götter für ihre eigenen Pläne, wobei sie mit Leuten, die ihnen in die Quere kommen, nicht gerade zimperlich umgehen. (siehe die Box "Magier & Priester")
Dieb-
Wie der Name schon sagt, ist der Dieb ein Meister des Raubes, des Attentats und Ähnlichem. Alles was mit Heimlichkeit zu tun hat, gehört in das Gebiet des Diebes. Es gibt aber auch Diebe, die ihre Fertigkeiten zum Guten einsetzen und können ein recht nützlicher Teil jeder Abenteurergruppe sein. (siehe die Box "Kämpfer & Diebe")
Paladin-
Ein Paladin tut niemals böses und hat bei seinem Leben geschworen, alles zu vernichten, was den Weg des Bösen folgt. Dabei kann er sich göttlicher Unterstützung sicher sein, wenn er auf seinem stolzen Roß in die Schlacht zieht. (siehe die Box "Kämpfer & Diebe")
Barde-
Ihre Lieder dienen nicht nur der Unterhaltung sondern können auch fabelhaft zur Manipulation von den Sinnen eines Individuums eingesetzt werden.

Je nach Bedarf kann der Spielleiter entscheiden, ob die etwas umfangreichere Version mit Fertigkeiten gespielt werden soll. Ansonsten werden alle Proben auf die Attribute gewürfelt, wobei vielleicht noch ein paar Modifikatoren aufgrund der Stufe etc. hinzukommen. Selbst Waffenfertigkeiten gibt es in der vereinfachten Variante nicht, wobei es bei der normalen allerdings wesentlich mehr vorhanden sind, da jede Waffe einzeln erlernt werden muß.

Einen großen Einfluß auf den Spielablauf hat auch die Gesinnung jedes einzelnen Charakters, die festlegt, wie er in bestimmten Situationen handelt. Die Gesinnung reicht von rechtschaffend gut über absolut neutral bis hin zu chaotisch böse. Aber auch hier gibt es einige Einschränkungen, so darf ein Paladin unter keinen Umständen eine böse Gesinnung wählen.

Proben werden auf einfache Weise abgehandelt, der Spieler wirft mit einem zwanzigseitigen Würfel und versucht mit diesem unter oder gleich dem betreffenden Attribut zu kommen. Dabei fallen noch ein paar Modifkatoren an, die aber schnell berechnet sind. Und das war eigentlich auch schon nahezu das ganze Regelsystem AD&D's. Schnell und einfach. Natürlich sind auch zahlreiche Vorschläge gegeben, um dieses etwas komplexer zu gestalten und so den Realismus etwas hervorzuheben.

Der Kampf fällt auch nicht viel schwieriger aus, die Reihenfolge wird durch einen Initiativewurf bestimmt, wonach jeder seine vorher gewählten Handlungen ausführt. Bei einem Angriff wird gegen den ETW0(Trefferwurf gegen die Rüstungsklasse 0) minus die Rüstungsklasse des Gegners gewürfelt. Genau, in diesem System ist eine niedrige Rüstungsklasse wesentlich besser. Wenn dieser Wurf erfolgreich ist, wurde getroffen, ansonsten halt nicht. Einfach, oder? Dafür eignet sich dieses System aber auch für wesentlich größere Kämpfe, denn in höhreren Stufen ziehen die Abenteurer mit einem etwas größeren Gefolge los.

Das Nötigste

Um zu spielen werden bloß zwei Boxen benötigt, den Rest könnte der Spielleiter eigentlich alleine zusammenschustern. In der "Spielleiter-Set"-Box steht alles, was ein Spielleiter wissen muß, um schnell zu starten. In der "Spieler-Set"-Box steht wiederrum, wie schwer zu erraten ist, alles, was ein Spieler lesen muß, um einen ausführlichen Charakter zu schreiben. Würfel, die unbedingt benötigt werden, werden mit den jeweilgen Boxen mitgeliefert. Vielleicht sollte man sich noch eine Kampagnen-Box zulegen, um in eine schon existierende Welt einzusteigen. Die "Monster-Set"-Box hilft ebenfalls sehr dabei, eigene Abenteuer zu erschaffen, denn ansonsten bekommt man keinen allzu guten Einblick in die Vorstellung der Autoren. Aber an die muß man sich ja auch nicht unbedingt halten. Wenn der Spielleiter unbedingt will, kann er auch all diese zusätzlichen Regeln selber entwickeln, was nicht unbedingt schwer sein sollte, da AD&D ein recht einfaches System benutzt.

Die eigentliche Welt kommt erst mit den Kampagnenboxen, ohne diese muß alles (Welt, Geschichte usw) selbst entworfen werden.

Kommentar

AD&D bietet einfache Regeln zum Einsteigen und auch ein gewissen Grad an Übersichtlichkeit. Die Tabellen der Regelbände sind durchgehend nummeriert und die wichtigsten wurden in einem Extra-Band zusammengefaßt. Was allerdings etwas seltsam ist, ist die Tatsache, daß mit den ersten Boxen zwei unterschiedliche "Charakterbände" und drei Bände mit dem Namen "Erweiterete Regeln" auftauchen, die zum Großen Teil den gleichen Inhalt haben. Eigentlich spielten sich die Anfänge von AD&D in Dungeons ab, wobei überhaupt nicht auf die Welt über den Kerkern geachtet wurde. Es war eher eine Art Brettspiel, welches sich mit der Zeit zu einer riesigen Welt entwickelte. So ist AD&D für beide Spielergruppen interessant, diejenigen, die lieber auf Monster einkloppen und Höhlen erforschen, und solche, die gerne mit Nichtspielercharakteren interagieren und über die Lande ziehen.

Sogesehen ist AD&D einge gute Wahl für Neueinsteiger und erfahrene Spieler, wobei leider aber anfangs eine Menge Geld investiert werden muß.

(pms)