Es schien ein einfacher Auftrag zu sein. Vielleicht würden sie ihn nicht annehmen, wenn nicht genügend dabei für sie herausspringt. Aber immerhin sollten sie für einen hochgestellten Exec bei Renraku arbeiten. Und sich bei einem Sicherheitskonzern gut zustellen, kann nie schaden.

Bis auf ein paar durchschnittliche Dienstfahrzeuge war die Tiefgarage leer.
"Er wird eine schwarz-rote Krawatte tragen...", hatte Noggin, ihr Schieber, gesagt.
"Verdammt, er ist schon eine Viertelstunde zu spät! Wo bleibt der Sack bloß?", Nolan versuchte erst gar nicht Ryker zu beruhigen, denn auch er wurde langsam nervös. Ihre Aufregung verschwand, als einer der sechs Fahrstühle in diesem Stockwerk hielt. Sie fuhren den Geschützturm ihres Mercedes L800 Pullman aus und zielten auf die Tür. Falls sie nur eine Waffe sehen würden, müßte Renraku sich neue Fahrstühle zulegen. Dem war nicht so. Zwei korpulente Männer in teuren Anzügen kamen heraus und unterhielten sich lautstark. Anscheinend war der kleinere, welcher ihnen Mr. Johnson zu sein schien, der Schwiegersohn des anderen, denn er sprach immer von seiner Tochter, während der Kleine sie seine Frau nannte. Nach kurzer Zeit fuhr Johnsons Schwiegervater wieder mit dem Fahrstuhl nach oben. Ängstlich schaute sich der Kleine um.

Ryker stieg aus und ging auf Mr. Johnson zu, während Nolan sich von hinten näherte. Als Ryker entdeckt wurde, grüßte der Kleine ihn vorsichtig und gab sich als Mr. Simpson zu erkennen. Ryker antwortete nicht, sondern ging weiter auf ihn zu, bis er einen Meter vor ihm stand. Während dessen erreichte Nolan den Rücken von Mr. Simpson und hielt im eine geladene Savalette Guardian an den Hinterkopf.
"Umdrehen!", flüsterte Nolan, woraufhin Mr. Simpson schreckhaft herumfuhr. Man konnte seine Angst förmlich riechen. Ryker filzte ihn von oben bis unten, als er seine Beine erreichte und etwas Nasses fühlte, sprang er auf.
"Er ist sauber... bis auf...", berichtete er Nolan, während er sich angeekelt die Hände an Mr. Simpson Rücken abtrocknete.

In kurzen Stummelsätzen erklärte er den beiden, daß seine Geliebte ihn verlassen hatte und ein wertvolles Amulett mitgehen ließ. Aufgrund einiger unglücklicher Umstände muß er das Amulett jetzt wiederhaben, er war bereit 10.000 Nuyen pro Kopf zu bezahlen. Das war eine Menge Geld, dafür daß sie bloß ein kleines Frauchen mit ihrem Schmuck einfangen mußten.
Sie nahmen den Auftrag an und fuhren zu der alten Adresse von seiner Geliebten, Victoria.

Beide betraten den Wohnblock und suchten den dunklen Korridor nach der Wohnungsnummer 2F ab. Als sie diese gefunden hatten, klopfte Ryker an die Tür, während Nolan daneben mit gezückter Guardian Stellung bezog.
Ein kleiner Typ in einem gepunkteten Hemd, das ihm aus der Hose gerutscht war, öffnete die Tür, "Hiya!".
"Hiya dich selber.", sagte Nolan als er ihm die Knarre in den Mund steckte. Sie drängten ihn zurück in die Wohnung und schlossen die Tür hinter sich.
"Wer bist du?", fragte Ryker, der seine Sporn ausfuhr
"Hmmgf...", der Kerl versuchte zu reden, was aber aufgrund des Chroms in seinem Mund nicht ganz klappte.
"Was? Achso...", Nolan zog die Pistole heraus und hielt sie ihm an die Stirn. Schweißtropfen liefen dem Kerl das Gesicht herunter, es sah so aus, als wenn er gleich zusammenbrechen würde.
"Also, wer bist du?", fragte Nolan erneut.
"Ich... ich bin bloß der... Vermieter...", Nolan und Ryker entspannten sich, aber steckten die Waffen nicht weg, denn sie waren immernoch mißtrauisch.
"Was machen sie hier?"
"Ich säubere die Wohnung... ...für den nächsten Mieter..."
"Wo ist Victoria Delling?"
"Sie ist ausgezogen, ganz plötzlich...", auch der Vermieter beruhigte sich, als er merkte, daß sie bloß Victoria suchten.
"Und sie wissen nicht, wo sie ist, richtig?"
"Genau, ich habe keine Ahnung... Ein Freund von ihr hat den ganzen Kram abgeholt..."
"Sie hatte Freunde?"
"Sie verstand sich ganz gut mit dem Troll aus 2E..."
"Und denken sie dran, wir waren nie hier...", Ryker steckte ihm einen hundert Nuyen CredStick in die Tasche.
"Ja ja, selbstverständlich...", der Vermieter war etwas verwirrt, als die beiden merkwürdigen Gestalten die Wohnung wieder verliessen.

Als sie wieder im Auto saßen, überlegten sie, was sie als nächstes unternehmen sollten.
"Hatte Simpson nicht etwas von einem Privatdetektiv erzählt, der ihn beschattet? Den können wir ja mal besuchen."
"Hast du seine Adresse?"
"Vielleicht kennt der Vermieter die, ich bin gleich wieder da...", Nolan stieg aus dem Wagen aus und kam nach ein paar Minuten wieder. Er setzte sich hinters Steuer und lud seine Waffe nach.
"Ich habe die Adresse. Oh, und hier hast du deinen CredStick wieder..."
Ryker schmunzelte und lehnte sich zurück, während er das Trideo im Wagen einschaltete.

Das Büro von dem Detektiv Bambra lag in einer drittklassigen Wohngegend im Zentrum Seattles. Es war ein Eckbüro im zweiten Stock eines fünfstöckigen Gebäudes. Vor dem Haus stand ein electric-roter Westwind, indem ein paar Punks saßen und laut den Soundtrack von der neusten Mercurial-Veröffentlichung hörten.
"Ich glaube, die würden uns bei der Arbeit stören...", sagte Nolan und fuhr mit dem Wagen direkt neben sie. Mit einem kurzen Befehl senkte er die getönte Autoscheibe und schaute die Punks durch seine dunkle Sonnenbrille an. Die Punks hatten sichtlich Angst, da sie wahrscheinlich schon vermuteten, wem der Wagen gehörte.
"Hey Punks, schon was von dem Pain System gehört?", das schien der nötige Anstoß zu sein, den die Punks brauchten, denn so schnell wie ihre Karre sie trug, fuhren sie davon.
"Kinder...", sagte Ryker verächtlich, während er ausstieg und den Hauseingang solange deckte, bis Nolan in dem Haus verschwunden war.

Am Eingang des Büros angekommen, entdeckten sie, daß die Tür gesichert war.
"Weißt du noch, wie man ein elektrisches Zahlenschloß knackt, Ryker?", fragte Nolan, während er angestrengt seinen Head-Memory nach Daten durchsuchte. Mit einem schnellen Tritt öffnete Ryker die Tür, "Ja, weiß ich..."
Grinsend betraten sie das Ein-Zimmer-Büro, welches gleichzeitig seine Wohnung zu sein schien. Das Büro war im "Überarbeiteter-Junggeselle-Mitte-des-einundzwanzigsten-Jahrhunderts" -Stil eingerichtet. Papierstapel, Klamottenhaufen und Fastfood-Verpackungen machten das Chaos perfekt.

Da sie wußten, daß ihre Zeit knapp bemessen war, packten sie alle Aufzeichnungen ein, die sie fanden. Opti-Chips, Video-Chips und Audio-Chips verschwanden in ihren Taschen, die meisten waren unbeschriftet.
Nachdem sie ungefähr zehn Minuten lang alle Chips eingesammelt hatten, hielt Nolan inne.
"Nolan, es kommen..." Anscheinend versuchten ein paar Amateure sich an sie heranzuschleichen.
"Ich hab's gehört, Ryker."
Nolan griff in seine Taschen und brachte zwei selbsthaftende Sprengstoffkapseln mit Zeitzünder an der Tür an und stellt den Timer auf zehn Sekunden.
"Raus hier."
Als sie beide gleichzeitig aus dem Fenster sprangen, hörten sie wie hinter ihnen die Tür aufgestoßen wurde und jemand schrie, "Hier kommt der Eismann!"
Die Explosion zerriß die Angreifer und die gesamte Etage. Niemand würde jetzt noch Hinweise in dem Büro finden. Nolan und Ryker rollten sich auf dem Asphalt ab und gingen zu ihrem Wagen, während sie sich den Schmutz von den Fünftausend-Nuyen-Anzügen klopften.
"Ich dachte wir wollten wenigstens diesmal unauffällig sein, Nolan."
"Dachte ich auch...", Nolan schwang sich in den Wagen und grinste, als er den roten Westwind vor der Tür des Büros stehen sah.
"Kinder...", mußte er Ryker jetzt zustimmen...

Stundenlang schauten sie die ganzen Chips durch, die Bambra nutzte, wie eine Art Tagebuch.
"Es scheint, als hätte Bamby sich in die Kleine verliebt, häh?", Ryker stupste Nolan an, der nachdenklich nocheinmal ein paar Chips durchging.
"Was ist, Nolan?"
"Ich dachte, ich hätte hier etwas von einer Wahrsagerin gehört..."
"Hatte der Troggy nicht auch so etwas erzählt? Etwas von einer Wahrsagerin? Vielleicht ist hier auf den Chips ja irgendwo die Adresse.", Ryker erinnerte sich und fing wieder an die Chips zu durchstöbern.
"Ich habe sie...", Nolan startete den Motor und fuhr los.

Die Gegend, in die Nolan sie fuhr, sah noch heruntergekommener aus, als die wo Bambra wohnte. Einige Häuser waren mit Brettern vernagelt, durch die man den Schein von Lagerfeuern erkannte.
"Da Vorne muß es se...", Nolans Worte wurde von dem Geräusch von zerberstendem Holz, splitterndem Glas und Todesschreie von... von... von Etwas unterbrochen. Solche Schreie hatten sie schon einmal gehört, aber er wußte nicht mehr wo.
"Shit!", Nolan sprang aus dem Mercedes, lud seine Waffe durch und stürmte zum Eingang.
"Ryker, pass du draußen auf, ich gehe rein!", brüllte er, als er die Eingangstür erreichte.

Drinnen bot sich ihm ein ekelerregender Anblick. Der Laden lag in Trümmern. Ein Tisch in der Mitte wurde umgeworfen und ein Wandspiegel zerschlagen. Madame Ulishia, die Besitzerin, was man der Aufschrift des Fensters entnehmen konnte, lag mit dem Gesicht zum Boden und bewegte sich nicht. Ein weiterer Körper, vielleicht der eines Mannes, lag in einer Ecke. Ein schwarzhaariger Mann, in einem lädierten Anzug, stand über Ulishia. Er hat gerade ihren rechten Arm ganz über ihre Schulterblätter gedreht. Der zersplitterte Armknochen drang durch die Haut.
Der Mann sah Nolan an. Seine Augen waren glänzend schwarz, offensichtlich irgendein Cyberjob. Nolan hatte schon viele Cyberaugen gesehen, aber diese waren irgendwie richtig fremdartig, und ihr Blick war enervierend. Seine Zähne waren auch künstlich und es dauerte einen Moment, bis Nolan das richtige Wort dafür einfiel. Es waren Mandibeln, diese komischen Zangen, die manche Insekten haben. Sie entsprangen dem Oberkiefer des Mannes und schoben das Fleisch der Lippen beiseite. Sie klickten zweimal, und der Mann ließ den Arm los. Dann betrat ein zweiter Mann den Raum durch eine Hintertür. Er hat die gleichen Zähne und die gleiche Eyeware. An seiner Körperhaltung erkannte Nolan, daß er überrascht war, ihn zu sehen, aber er machte sich schnell kampfbereit.
"RYKER!!!", brüllte Nolan, der blitzschnell seine Guardians auf die seltsamen Kreaturen richtete. Nolans vercyberten Reflexe waren um ein vielfaches schneller, als diese Viecher und die verchromten Läufe seiner beiden Savelette Guardians spuckten schneller Explosiv-Geschosse, als die Biester sich überhaupt regen konnten.
Die stinkenden Innereien wurden durch den ganzen Raum verteilt, so daß Nolan sich abwenden mußte, um sich nicht zu übergeben. Auch Ryker, der jetzt die Tür erreichte, schluckte als er die Unordnung sah.
"Was waren das, Nolan?"
"Ich weiß nicht genau... Vielleicht... Nein...", Nolan erinnerte sich, "... nicht schon wieder... Das sind... ...waren Insektengeister..."

Nachdem sie den Schock überwunden hatten machten sie sich daran das Haus zu durchsuchen. Ryker ging in Richtung Küche, denn die ganze Aufregung hatte ihn hungrig gemacht.
"Ich schaue mich im Schlafzimmer um.", rief Nolan Ryker hinterher, der aber schon dabei war, den Kühlschrank zu plündern.
Im Schlafzimmer sah es so aus, als wäre eine Bombe hochgegangen. Die gesamte Einrichtung lag auf dem Boden verstreut. Ein paar Zettel fielen Nolan sofort ins Auge. Er hatte sie schon einmal gesehen. Er hob einen von ihnen auf und als er die Überschrift las, wußte er sofort, woher er es kannte. "Entfesseln Sie Ihr Selbst!"
"Ryker, die Bruderschaft hat was damit zu tun!", rief Nolan, der noch immer nicht ganz verstand was hier los ist.
"Die Universelle?", fragte Ryker, der sich gerade einen Soy-Burger in den Mund schob.
"Genau die...", warte mal. Nolan tastete eine der Wände ab und legte kurz danach eine geheime Tür frei.
"Hmm. Schmeckt gut.", war das einzige was Ryker von sich gab, als er den Zettel durchlas.

Inzwischen zwängte Nolan sich in den kleinen Geheimraum, den er gerade entdeckt hatte. Alles hatte den Anschein, als wenn es sich um ein Kinderzimmer handeln würde. Die Wände waren in "Baby-Arsch-Blau" und Stofftiere waren im ganzen Raum verteilt. In einer Ecke stand ein weißen Kinderbett, in dem ein Teddy neben einem großen Kissen saß. Als Nolan sich dem Teddy näherte, sah er einen Arm unter dem Kissen hervorragen. Der Arm bewegte sich nicht. Der Größe nach zu urteilen, der Arm des Babys.
Sich bewußt, was er gleich sehen würde, hob Nolan langsam das Kissen von dem wohlmöglich ersticktem Kind. Aber was er sah, erschreckte ihn noch mehr.
Der Mund des Kindes war offen und es schaute unschuldig, davon abgesehen, daß es Facettenaugen hatte. Der Oberkörper wäre menschlich, wäre da nicht die Wölbungen eines Brustpanzers unter der Haut. Die Beine waren lange, behaarte Insektenglieder. Nolan wandte sich ab. Er wußte nicht, ob er trauern sollte, daß ein solch unschuldiges Kind starb, oder daß er froh sein sollte, daß ein solch gottloses Wesen nicht mehr existierte.
"Ich habe ein Tagebuch gefunden. Darin steht, daß sie hier irgendwo ein Kind vor einem Schwarm versteckt."
"Und ich habe das Kind gefunden, Ryker."
"Anscheinend haust der Schwarm bei der Universellen Bruderschaft. Hier steht nämlich was von einer Sektion, das könnte doch gut die UB-Sektion in Redmond sein.", vermutete Ryker, der jetzt fertig mit essen war.
"Und was ist wenn es eine andere Sektion ist?"
"Dann ist es nicht unser Problem.", lachend verließen sie das Haus und fuhren in ihre Wohnung um sich für die kommende Schlacht auszurüsten.

Langsam wurde es dunkel, aber die Sektion schien noch geöffnet zu haben. Teure APDS-Munition steckte in den polierten Wummen, die gleich ein paar Insekten den Arsch wegblasen würden. Nolan steckte zur Sicherheit noch seine Kettensäge in den schon überfüllten Rucksack. Zwei Guardians schmückten die Innenseite seines gepanzerten Mantels. Auch Ryker schnallte sich seine Axt auf den Rücken, wo er geschickt seinen langen Mantel rüberlegte. Irgendwie fürchteten sich Beide, denn es war anders als sonst. Sie hatten ein seltsamen Gefühl. Aber als Shadowrunner ist es ihre Aufgabe, diese Furcht zu nehmen und sie zum Alptraum eines anderen zu machen. Und diesmal sollte es die Bruderschaft sein.

"Wie gehen wir das an, Ryker? Einfach alle umballern?"
"Lass uns mal rein gehen und die Lage checken. Vielleicht sind wir hier ja doch falsch."
"Und wenn nicht?"
"Dann ballern wir einfach alles um. Gehe schon einmal vor, ich rufe inzwischen John an."
"Das hört sich schon besser an.", Nolan ging lächelnd auf das Gebäude zu und stieg die Treppen zu den Glastüren hinauf, die in die riesige Lobby führten. Schwungvoll stieß Nolan die Türen auf und ungefähr vier dutzend Augen starrten ihn an. Die Gespräche verstummten. Mit dem Gedanken, daß es keine gute Idee war, ging er zu einem der Regale und zog sich ein Informationsblatt hinaus. Erleichtert nahmen die Anwesenden wieder ihre Arbeit auf.


Als kurz darauf Ryker die Lobby betrat, wiederholte sich das Ganze. In einem unbeobachteten Moment schlichen sich beide eine Treppe in den Keller hinunter.

Am unteren Ende der Treppe versperrte eine Stahltür den Weg, die aber nicht abgeschlossen war. Kaum daß die Tür offen war, wurde die ganze Treppe und der hinter der Tür liegende Gang in ein dämmriges Rot getaucht. Nach fünf Metern teilte sich der Gang. Kurz bevor sie die Gabelung erreichten, kamen zwei Wachen um die Ecke.
"Halt, Sie haben hier keinen Zutritt. Würden Sie bitte wieder zurückgehen.", die Wachen gaben ihrer Forderung Nachdruck, indem sie ihre Ares Crusader zogen.
"Ok, kein Problem...", Nolan und Ryker drehten sich um und gingen langsam in Richtung Treppe. Als die Wachen einen knappen Meter hinter ihnen standen, wirbelten beide herum und schlugen auf die Wachen ein. Ryker verfiel in einen berserkerartigen Zustand und fuhr seine Sporns aus. Nolan versuchte ihn noch davon abzuhalten, die Wache aufzuschlitzen. Er schaffte es nicht.

Sie zerrten die zerfetzten Wachen in einen angrenzenden Raum, der sich als der Heizungskeller entpuppte. Ohne lange zu überlegen brachte Nolan eine Sprengladung an. Diesmal benutzte er aber einen Funkzünder, denn er wußte nicht, wie lange sie noch brauchen würden. Am Ende des einen Ganges fanden sie eine schwere Tür, die der eines Tresors glich.
"Bingo!", murmelte Ryker, als er sich an der Tür zu schaffen machte. Nach einigen Sekunden schaffte er es, die Tür zu öffnen. Der Raum war mit Kisten gefüllt, die wahrscheinlich alle voller CredSticks sein würden. Jetzt konnte sich auch Nolan nicht mehr halten und stürmte in den Raum.
Er spürte den Atem von irgend etwas in seinem Rücken, nachdem er den Raum betreten hatte. Bevor er sich umdrehen konnte, erwischte ihn schon eine riesige Klaue am Rücken, die seine gesamte Rüstung aufriß. Im Sturz wirbelte er herum und feuerte vier Salven seiner Guardians auf das Monstrum, das sich über der Tür versteckt hatte. Ein Klumpen unnatürlichen Fleisches fiel Ryker vor die Füsse.
"Ich hasse diese Viecher...", gab Nolan nur von sich. Beide machten sich daran, die Kisten zu öffnen und die wertvollsten Sachen, darunter das gesuchte Amulett, in ihre Taschen zu stopfen.
"Jetzt laß nocheinmal sehen, ob hier irgendwo Victoria rumläuft."
Genervt sammelte Nolan seinen Rucksack wieder auf und befestigte die Kettensäge an seinem Gürtel.
Ihre Waffen gezogen, näherten sich Beide der nächsten Tür. Das Holz gab unter dem Tritt von Ryker berstend nach. Schreiend stürmten sie in den kreisförmigen Raum, hielten aber inne, denn mit dem was sie sahen hatten sie nicht gerechnet. Die Wände pulsierten, es schien als würde der Raum leben. Anscheinend waren sie mitten in die Brutstätte gestürmt, in der gerade ein paar Insektenmonster am schlüpfen waren. In einigen Kokons erkannte man noch sich windende Menschen, allen Anschein nach, würden auch sie bald Opfer der Monster, wenn ihnen niemand helfen würde.
"MACH SIE ALLE PLATT!!!", schrie Nolan der das Feuer eröffnete. Auch Ryker zog seine Schrotflinte und schoß, was die Knarre hergab.

Aber die Waffen schienen nicht viel ausrichten zu können. Nolans Munition neigte sich nach zahlreichen Feuerstößen dem Ende. Klick... Klick...
"Ich habe keine Munition mehr...", brüllte Nolan, der seine Knarren wegsteckte.
"Hab auch nur noch zehn Schuß...", Ryker steckte seine letzte Munition in die Sturmschrotflinte.
"Na dann mal los!", Nolan warf seine Kettensäge an.
Laut brüllend warf er sich in die Menge der Insektenviecher und mähte einen nach dem anderen um.

Gelangweilt saß Judy an dem Tresen und blätterte in einem Magazin. Es war ein langweiliger Tag, wie jeder andere auch. Eine handvoll Kunden liefen noch in der Lobby umher und informierten sich darüber, wie schön es doch in der Bruderschaft sein könnte. Die Wachen hingen auch bloß so herum und beobachteten die attraktiveren Besucher. Die Glastür schwang auf und eine hünenhafte Gestalt betrat den Raum. Einen gefüllten Rucksack geschultert stapfte er zu einem der Regale. Die Wachen beobachten ihn nervös und gingen langsam mit ihren Händen zu ihren Waffen. Ein Zweiter betrat den Raum, es war ein Zwerg. Die Beiden schienen sich zu kennen, denn sie gingen gleich aufeinander zu und unterhielten sich. Anscheinend bloß zwei Punks, die Beistand haben wollten. Das Selbe, wie jeden Tag. Das man keinen bessern Job für eine der besten Magierin der Bruderschaft hatte, war schon beinahe lächerlich. Gelangweilt laß sie in ihrem Magazin weiter.

Einen Artikel später schaute sie wieder auf und die Beiden waren verschwunden. Dachte sie sich doch, daß die nichts Böses wollten. Einige Minuten später, wurde sie aus ihrer Lektüre gerissen. Ein Motor heulte auf und ein Beben erfüllte den Raum. Scheinwerferlicht erleuchtete den ganzen Raum. Sie wurde geblendet und konnte nicht sehen, was draußen los war. Die Wachen näherten sich mit gezogenen Waffen dem Eingang.
Reifen quietschten und die Wachen, die schon die Tür erreicht hatten, schrien auf. Ein riesiger Mercedes schoß durch die Glastür und landete dort, wo einmal ein Tresen samt Magierin stand. Die Wachen schossen auf den Wagen, von dem die Kugel aber bloß abprallten. Ein Turm fuhr aus dem Wagen heraus und zwei montierte Miniguns fingen an, sich zu drehen. Die Wachen und Kunden in der Lobby wurden von dem Kugelhagel zerrissen. Die Wände wurden durchschlagen und Dahinterstehende zu Boden geschleudert und durchlöchert. Zweihundert Kugeln später kamen die Rohre zum Stillstand. Die Fahrertür wurde aufgestossen und ein vor Spaß brüllender John sprang heraus. Die Wachen die in den Raum stürmten wurden von den Schüssen zerfetzt, die aus den Vindicatorn kamen, die John in seinen Händen hielt. In jeder Hand eine der leichten Maschinengewehre, fing er an das Stockwerk zu säubern.

Als auch der letzte Gegner fiel, sanken Nolan und Ryker erschöpft zu Boden. Sie hatten alles erwartet, nur das nicht. Mühselig richteten sie sich wieder auf und schnitten einen Kokon nach dem anderen auf, in der Hoffnung noch jemanden retten zu können. Aber sie kamen zu spät. Die Mutationen waren schon zu weit fortgeschritten. In einem der Kokons fanden sie Victoria Delling. Von ihrer einstigen Schönheit ist nichts mehr übrig geblieben. Das Gesicht war aufgedunsen und die Knochen verbogen. Stacheln wuchsen ihr aus der Haut und die Augen waren schon fast ganz in ihrem Kopf verschwunden. Mit der Kettensäge erlösten sie die leidenden Kreaturen von ihrem Schicksal.
Auf dem Weg zur Treppe brachten sie noch ein paar Sprengsätze an und steckten noch ein paar der Wertsachen ein, die sie gefunden hatten.

Oben angekommen, staunten sie über die Verwüstung, die John angerichtet hatte. Die Innenwände waren fast vollständig zerfetzt und kein Körperteil war mehr dort, wo es eigentlich hingehörte. Fast der gesamte Boden war mit Blut getränkt. In der Decke waren zahlreiche Löcher, durch die man die Zerstörung der anderen Stockwerke sehen konnte. Entfernt konnte man Schreie hören. Anscheinend war er noch nicht ganz fertig. Ryker konnte gerade noch rechtzeitig zur Seite springen, als eine Leiche genau vor seine Füße fiel.
"Achtung, da kommen noch mehr!", warnte John die anderen. Nach kurzer Zeit stapelten sich die Leichen schon fast einen Meter hoch.
"So, jetzt bin ich fertig...", erklärte John, der erfreut die Wendeltreppe hinunterlief.
"Was war hier eigentlich los?"
"Das erklären wir dir ein anderes mal, John. Laß uns erst einmal abhauen, die Bullen kommen bestimmt gleich..."
"Ach die, die waren schon da.", grinsend deutete John auf einen brennenden Ares Citymaster auf der Straße, vor dem verkokelte uniformierte Leichen lagen.

Mr. Johnson nahm das Amulett freudig entgegen.
"Wunderbar, Wunderbar! Lucile wird so glücklich sein. Vielen, vielen Dank. Hat Victoria... Nein, erzählen Sie es mir nicht. Ich will nicht wissen, wo sie war und was sie gemacht hat. Wissen Sie... ich glaube, so ist es am besten. Victoria war einfach nur so eine Herumtreiberin, die auf schnelle Nuyen aus war. Sie hätte mich niemals glücklich gemacht. Aber als sie verschwand, mußte ich erst einmal herausfinden, warum ich denn eigentlich nicht glücklich war. Ich sprach darüber mit meinem Schwiegervater - ich habe vorher nie so offen mit ihm geredet - und an dem Abend - der Abend, wo ich sie engagierte - nahm er mich mit zu einer Organisation, die mir, glaube ich, wirklich helfen wird." Lächelnd übergab er Nolan und Ryker die CredSticks und ging pfeifend zu seinem Wagen.