LARP
Live-Action-Role-Playing
Eine Horde Orks jagt durch einen düsteren abendlichen Wald. Nebel ist aufgezogen und nur noch
das spärliche Licht der Fackeln des nahen Lagers vermag die Dunkelheit zu durchbrechen.
Eine Gruppe mutiger Recken steht am Waldesrand und bereitet sich auf einen Kampf vor. Die Krieger
haben einen Schildwall aufgebaut hinter dem sich ein paar vereinzelte Bogenschützen verschanzt
haben.
Unter das Kampfgebrüll der heranpreschenden Orks mischt sich der arkane Gesang eines Magiers,
der gerade einen gewaltigen Windstoss beschwört, der die Orks zurücktreiben soll.
Hinter dem sich anbahnenden Kampf haben sich die Heiler des Heldenlagers postiert und warten mit
Bandagen und heilsamen Salben auf die kommenden Verwundeten.
Kurze Zeit später erreichen die Orks die Helden, ein gewaltiger Sturm fegt durch die Reihen
und die Helden stürzen sich auf die Feinde...
Ein Fantasyfilm? Ein Computerspiel?
Weit gefehlt, denn das was sich hier gerade abspielt ist nahezu real...
LARP ( Live-Action-Role-Playing ) ist ein Begriff, den viele Leute mit in Strumpfhosen gekleideten
Typen verbinden, die mit Holzschwertern durch den Wald huschen. Dabei steckt doch eigentlich eine
ganze Menge mehr dahinter.
Vor Jahren hatten sich passionierte Rollenspieler gedacht, ihr Hobby einmal in die reale Welt zu
übertragen und die Geschichten von Drachen, Elfen, Magie und Schwertern "live" nachzuspielen.
Herausgekommen ist nach Jahren eine durchaus beachtliche Community mit Mitgliedern zwischen fünf
und fünfzig Jahren, die sich über den gesamten Erdball erstreckt.
Aber was ist LARP eigentlich genau?
Wie oft liest man ein Fantasybuch und wünscht sich selbst einmal die Abenteuer zu erleben.
In einem Pen&Paper Rollenspiel kann man tun, doch die Krönung ist, sich dann "real"
Monstermassen zu stellen und als Zauberer mit Feuerbällen um sich zu werfen.
Gekleidet in selbst gefertigte Gewänder und Rüstungen, bewaffnet mit Schwertern spielen
Liverollenspieler auf sogennanten Cons Geschichten nach.
Diese Cons finden auf Zeltlagern, in Höhlen oder auf Burgen statt. Beinahe 2000 Besuchern
sind keine Seltenheit.
Hier gilt generell "Du kannst, was Du kannst", und was in unserer Welt nicht geht, wird durch
Fertigkeiten dargestellt. Es gibt dutzende verschiedene Regelwerke, die all die unterschiedlichen
Fähigkeiten beschreiben. Das reicht vom sehr einfachen und leicht zugänglichen
Dragonsys bis hin zum komplizierteren Silbermond System.
Die Regeln dienen eigentlich nur einen Zweck: Das zu ermöglichen, was die Darsteller nicht
zeigen können, sprich Magie, Kämpfe, Alchemie etc.
Fähigkeiten, die man als normaler Mensch besitzt, können je nach System einfach
eingesetzt werden.
Beispielsweise sollte jemand der einen Dieb spielen möchte durchaus in der Lage sein, seinen Opfer
das Geld heimlich aus der Tasche zu ziehen. Hat der Spieler des Diebes zwei linke Hände, wird
er als Dieb wenig Erfolg haben.
Will unser Dieb dann aber auch jemanden niederschlagen können, so kann er sich eine
Fähigkeit namens Niederschlagen aneignen. Ähnlich wie im Pen&Paper gibt es auch
im LARP Erfahrungspunkte, die meist in den Tagen bemessen werden, die ein jeweiliger Charakter mit
Liverollenspielen verbracht hat. Diese Punkte können dann von der Spielleitung individuell
verteilt werden, je nach Einsatz, oder besonderen Leistungen des Charakters.
Zurück zu unserem Dieb. Nach zwei Tagen auf einer Burg hat er einen echten Lehrmeister
gefunden, der ihn in der Fähigkeit des Niederschlagens unterweisen kann. Die beiden
trainieren ein wenig, der Dieb gibt Erfahrungspunkte aus und schon kann er in seiner
Charaktergeschichte vermerken, daß er die Fähigkeit erworben hat.
Schleicht er sich nun von hinten an ein Opfer an, muß er diesem mit einem Knüppel angedeutet
auf den Kopf schlagen und dabei niederschlagen sagen. Das Opfer legt sich dann auf den Boden
und tut so als wenn es bewußtlos wäre. Die neue Fähigkeit wurde erfolgreich eingesetzt.
So geht es mit nahezu jeder Fähigkeit, oder jedem Zauberspruch. Wie diese Punkte erworben und
verteilt werden, variert nach Regelwerk und Spiel.
So läuft ein Ritter in einer durchaus echten Rüstung durch die Burg, spricht wie im
Mittelalter und hat eine ganz eigene Hintergrundgeschichte.
Jeder der anwesenden Charaktere hat solch eine eigene Geschichte, eine eigene Persönlichkeit
und hier gelten nur die Beschränkungen der jeweiligen Fantasywelten.
Elfen, Echsenmenschen, Ritter, Magier, Nekromanten und vieles mehr kann dargestellt werden.
Vorausgesetzt, der Spieler des Charakters kann es überzeugend spielen und entspricht den
körperlichen Anforderungen einer gewissen Rasse. So sollte jemand der einen Elfen spielt eher
zierlich gebaut sein, während ein Ritter eine kräftige Figur haben sollte.
Kämpfe finden real statt und Treffer merkt man sich im Kopf und nicht anhand eines amputierten
Arms. Hat man alle Lebenspunkte verloren, geht man zu Boden und ist bewußtlos. Wer im realen
Leben nicht kämpfen kann, wird auch hier keine Chance haben, wobei immer generell gilt: Safety
first. Wird ein Kampf zu gefährlich, oder prügeln die Spieler wild aufeinander ein, so
wird der Kampf unterbrochen.
Zauber können zum Beispiel dargestellt werden, indem der Magier eine arkane Formel aus seinen
Buch spricht, theatralisch die Hände bewegt und sein "Opfer" mit einer geworfenen Prise Salz
ins Land der Träume befördert. Der Magier muß hierzu eine kleine Show hinlegen, die
den Akt des Zauberns überzeugend darstellen sollte. Kann er ohne Unterbrechnung zaubern,
handelt er entsprechend der Zauberbeschreibung und sagt dem Opfer, was mit ihm geschieht.
Bei dem eben genannten Beispiel wirft er Salz nach dem Opfer und sagt "Schlaf!". Welche
Fähigkeiten ein Charakter hat, steht in seinem Charakterbogen, der außer ihm, noch der
jeweiligen Spielleitung zugänglich ist. Diese kann dann auch vermitteln und bestätigen,
daß ein Magier eine bestimmte Fähigkeit hat (Wenn ein Magier einen Todeszauber
ausspricht, will man schon wissen, ob er das auch wirklich kann.)
Der Charakter, den man spielen möchte, sollte immer ins jeweilige Szenario der Spielleitung
passen und auch in eine Fantasywelt hineingehören.
Generell veranstalten viele Vereine die genannten Cons. Sie basieren meist auf einer Geschichte,
die dort dann nachgespielt wird.
Zum Beispiel: König Bermoir hat eine Burg geerbt, die von finsteren Gestalten besetzt wurde und
von tapferen Helden befreit werden soll.
Die Organisatoren mieten nicht nur einen Platz, sondern sorgen auch für NSC's
(Burgbevölkerung, Monster, Händler etc.). Meist gibt es auch Specialeffects (Pyrotechnik,
Nebel, Musik), ja sogar ganze Dungeons in riesigen Ausmaßen sind möglich. Die Monster
werden teilweise von Maskenbildnern geschminkt und nicht selten werden Theaterausstattungen
angemietet, oder ganze Grabstätten gebaut um als Szenario zu dienen.
Die Spielleitung überwacht während des Spiels den Verlauf, koordiniert und hilft dem
unerfahrenen Spielern.
Nach der Anreise wird eingecheckt, bezahlt und dann das Zimmer, Zelt etc bezogen. Irgenwann heißt
es dann "Time In" und der Alltag wird zusammen mit der normalen Kleidung abgelegt.
Die Kosten für die Teilnahme an einem solchen Con ist meist abhängig von dem Ort und
der Ausstattung.
Ein einfaches Zeltlager am Wochenende kann 50 DM kosten, eine ganze Woche mit Vollverpflegung und
vollen Specialeffects in einer Burg mit Festmahl am Ende kann schon einmal 500 DM kosten.
Zur richtigen Ausstattung verhelfen entweder eigene geschickte Hände oder einer der vielen
Fantasy-Shops. Viele Händler sind auch mit Ständen auf
den Cons vertreten und bieten Ihre Waren feil.
Die Waffen die man in diesen Läden kaufen kann sind aus einem Glasfaserkern, mit Schaumstoff
gepolstert, mit einer Gummischicht überzogen und mit Farbe verschönert.
In den mittelalterlich angehauchten Serien, wie zum Beispiel Xena und Herkules, werden solche Waffen
ebenfalls benutzt. Verwechseln kann man Kunstschwerter und echte Klingen zwar nicht, dafür kann man sich
in einem Kampf aber auch nur blaue Flecken zuziehen.
Es gibt auch eine Menge Einsteigercons mit unter anderem Workshops zum Herstellen von Waffen und zum Kämpfen lernen. In die Sprache und Gepflogenheiten fügt man sich generell sehr schnell ein, schon nach ein paar Stunden ist man quasi in der anderen Welt...
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