Another War
Im Krieg ist jede Reise ein Abenteuer
Der Zweite Weltkrieg ist im vollen Gange und die französische
Bevölkerung leidet unter den deutschen Besetzern. So auch Pierre, ein
alter Freund des Helden der Geschichte, der in schlimmen Schwierigkeiten steckt.
Zumindest stand dies in dem Brief, der vor einigen Tagen unseren Helden erreichte.
Da er immer ein guter Freund war, begiebt er sich nach Frankreich, um ihn im
verabredeten Cafe zu treffen.
Dort angekommen berichtet er von einer wertvollen Schatzkarte, die er
bei Restaurierungsarbeiten gefunden hatte. Diese soll angeblich den Weg zu einem mächtigen Artefakt
zeigen, das auf keinen Fall in die Hände der Nazis fallen
darf. Doch bevor Pierre die komplette Geschichte erzählen kann,
tauchen aus allen Richtungen SS-Soldaten auf und werfen sowohl Pierre
als auch den Helden in den Kerker eines nahegelegenen Schlosses.
Anders als der Name und das Szenario es vielleicht vermuten lassen,
handelt es sich hier nicht um ein weiteres Echtzeitstrategiespiel,
sondern um das erste Rollenspiel, das während des Zweiten
Weltkrieges spielt.
Anfangs hat der Spieler die Wahl zwischen drei unterschiedlichen
Charaktertypen: dem Kämpfer, dem Dieb und dem
Intellektuellen. Alle bieten andere Lösungsmöglichkeiten
für einige Rätsel und erfordern jeweils individuelle Kampftaktiken.
Die verfügbaren Fähigkeiten
hängen ebenfalls von der Wahl der Klasse ab. So kann ein Dieb
zwar mit einer Maschinenpistole umgehen, aber nicht sonderlich gut mit
schweren Maschinengewehren, wie es sonst nur der Kämpfer kann.
Außer den Attributen und den normalen Fähigkeiten, hat der
Spieler die Möglichkeit den Charakter nach einem Levelanstieg mit
Spezialfertigkeiten, wie zum Beispiel 'schleichen', zu versehen.
Diese besonderen Fertigkeiten können aber nicht beliebig oft
eingesetzt werden, sondern müssen sich langsam aufladen.
Es gibt eine große Anzahl an Waffen, Rüstungen und
sonstigen Gegenständen; wieviele man davon allerdings nur
mitnehmen kann, hängt von der Stärke und der
Größe des Rucksackes ab, den der Charakter umgeschnallt
hat. Da man die Möglichkeit hat, weitere Charaktere anzuheuern,
kann man auch einiges an Ausrüstung auf diese auslagern.
Die erwähnten zusätzlichen Charaktere können mit Waffen
und Munition versorgt werden, weigern sich allerdings irgend eine Art
von Rüstung anzulegen. So haben sie nur die Möglichkeit
ihren Rüstungswert durch die Steigerung des Attributes
Geschicklichkeit zu steigern. Spezialfertigkeiten haben diese
Charaktere auch nicht, sind also eher dümmliche Kampfroboter und
Lasttiere. Selten kann man nur mit ihnen über Dinge reden, die
nicht belanglos sind aber dennoch sind die Tagebucheintragungen, die
einer der Charaktere ständig vornimmt, recht belustigend.
Aber das ist auch schon wieder eine der großen Schwächen des
Spiels. Denn trotz des ernsten Szenarios, ließen es sich die
Entwickler nicht nehmen, hier und da einen Witz einzubauen, so
daß nicht wirklich eine stimmige Atmosphäre aufkommen
will. Auch die magischen Gegenstände, die man im Laufe des
Abenteuers findet, tragen nichts zur Stimmung bei. Eine realistische
Erklärung, warum eine Wollmütze einen besseren Schutz als
ein Stahlhelm bietet, sucht man leider vergebens.
Da die Kämpfe in Echtzeit abgehandelt werden, laufen diese meist
sehr hektisch ab. Lediglich der Hauptcharakter läßt sich
steuern, die anderen greifen den nächsten Feind mit der momentan
angelegten Waffe an. Haben sie ihren Munitionsvorrat verschossen,
fangen sie an mit der Schußwaffe auf ihren Kontrahenten
einzuschlagen. Warum sie allerdings nicht von alleine eine andere Waffe aus
ihrem Rucksack holen, ist ebenso schleierhaft. Die meiste Zeit des
Kampfes verbringt man also damit seine Schergen mit Verbänden und
Munition zu versorgen, während von einer wirklichen Taktik nichts zu
sehen ist. Wenn man es dabei auch noch schafft, den von den deutschen
Soldaten geworfenen Granaten auszuweichen, hat man meist eine gute
Chance einen Kampf heil zu überstehen. Doch das Ausweichen ist
meist schwieriger als man denkt, da die Soldaten auch gerne mal
Granaten vor ihre eigenen Füsse werfen oder ihre Verbündeten
sprengen. Die stark eingeschränkte Sichtweite und die wirr
umherlaufenden Kameraden sorgen dabei für das totale Chaos.
Äußerst merkwürdig ist auch, daß ein Dieb ein
wesentlich besserer Kämpfer ist als die entsprechende
Charakterklasse. Denn seine hohe Agilität sorgt dafür,
daß kaum ein Gegner ihn trifft und so kann er nahezu
ungestört all seine Feinde hinrichten.
Das Spiel beinhaltet viele dieser Ungereimtheiten und auch anderen störenden Elemente. Die
Handlung ist nicht wirklich glaubwürdig und auch die Charaktere
eher schlecht dargestellt. Die immer wieder auftauchenden Gegner
behindern das ansonsten schon langsame Reisen erheblich. Und dabei
muß man noch ständig darauf achten, daß keiner der
NSCs der Gruppe aus Versehen auf eine der zahlreichen Minen tritt. Denn wenn es einen zerreißt, ist das Spiel sofort vorbei.
Insgesamt ist dieses Spiel eher etwas für hartgesottene Fans die auch gerne einmal über schlechte Witze lachen. Frustrierend langweilige Kämpfe und die schlechte Atmosphäre ruinieren ein Spiel, das wesentlich besser hätte sein können, wenn es sich doch mehr an Spiele wie Fallout gehalten hätte.
(pms)



