Kinderkram oder auch was für "Ältere"?

Was denkt jemand, der noch nie von dieser Art Kartenspiel gehört hat, wenn er erwachsene Menschen sieht, die verschiedene bunte Karten untereinander austauschen? Und was soll er erst denken, wenn er sieht, daß manche mehr als hundert Mark für eine einzelne Karte hinlegen? Das letzte was er wohl denken würde, wäre das es sich dabei um eine der weitverbreitesten Rollenspielabkömmlingen handelt, die es je gegeben hat. Aus diesem Grund habe ich mich auch entschlossen diesen Artikel zu schreiben. Ich war es leid, daß jedesmal, wenn irgendwo von Rollenspielern gesprochen wurde, nur "Karten-tauschenden-Kerle" (von diesen Personen und dem Spiel handelt dieser Artikel) oder die "durch-den-Wald-rennenden-Idioten-die-sich-mit-Schaumstoffschwertern-die-Birne-einhauen" (ein Artikel zu Live-Rollenspielen ist in Arbeit) erwähnt wurden. Um es klar zu stellen, bei diesen Kartenspielen handelt es sich nicht um ein Rollenspiel, sondern lediglich um Spiele mit Rollenspielelementen. Einige bedienen sich einer schon existierenden Rollenspielwelt, wobei meist auch das Regelsystem hinhalten mußte,  und andere erschaffen eine völlig neue.

Die Spiele werden meistens nur zu zweit ausgetragen, wobei jeder aber sein eigenes Set von Karten besitzen muß. Diese gibt es in jedem gut sortierten Rollenspielladen oder Kaufhaus, wobei das sogenannte "Starterdeck" oder "Master Pack" die nötigsten Karten zum Spielen enthält. Zusätzliche Karten findet man in Erweiterungs-Sets, die meist zehn bis zwanzig zufällig gewählte Spielkarten enthalten. Wenn man Glück hat, findet man schon einmal ein wertvolles Stück oder vielleicht bringt der Kauf im Endeffekt auch gar nichts.

Bis jetzt hört sich das ganze nach den altbekannten Sammelstickern an, die ebenfalls in allen Variationen und Preisklassen zu finden sind. Aber wo bei den Stickern der Spaß aufhört, fängt er bei den Kartenspielen erst an. Nun treffen sich verschiedene Spieler und tragen große Schlachten auf ihrem Spieltisch aus. Wälder, Ebenen, Sümpfe und Gebirge in Form von Geländekarten, stellen das beherrschte Reich dar. Nun gehört ein guter Satz Karten und ein wenig Geschick und manchmal auch Würfelglück dazu, das Spiel zu gewinnen. Auch Armeen, Monster, Helden und Zauber findet man unter den Karten, die alle ihre Vor- und Nachteile mit sich bringen.

Sollte nach einigen oder mehreren Runden die Partie entschieden sein, so ist es am Gewinner sich eine oder mehrere (je nach Spiel) Karten des Gegners anzueignen. Wenn man Pech hat, erwischt man eine Karte mit dem Wert von einem Groschen oder eine für hundert Mark. Mit der Zeit wurde das Spielen nur noch Nebensache, jemand der sich die besten Karten leisten könnte, würde schnell ein unbesiegbares Kartenset besitzen, woraufhin wohl niemand mehr gegen ihn antreten würde. So wird aus einem harmlosen Kartenspiel eine geldfressende Leidenschaft, die den Machern eine Menge Geld einbringen. Kein Wunder das immer mehr Hersteller ihr Glück in diesem Gewerbe versuchen,wobei man aber sagen sollte, daß die meisten wirklich nicht ihr Geld wert sind.

(pms)