Was ist ein Rollenspiel?
Viele verbinden mit dem Begriff "Rollenspiel" zuerst das Schauspiel im Theater. Diese Vermutung ist zwar nicht ganz richtig, aber trotzdem trifft es die Sache irgendwie. Die Aufgabe, die sich jeder Spieler eines Rollenspiels vor einer Sitzung stellen sollte, ist nämlich die, sich in einen Charakter, in eine fremde Welt und in eine unbekannte Geschichte hineinzuversetzen - beinahe wie auf der Bühne.
Ein Beispiel wird erläutern, was jemanden dazu bewegt, sich dem Rollenspiel zu widmen. Jeder hat sicherlich schon einmal einen spannenden Film gesehen, der ihn an die Mattscheibe fesselte. Man fiebert mit dem Helden und durchlebt seine Abenteuer, als wäre man dabei. Plötzlich sieht man ihn einer Gefahr ausgesetzt, die der Held aber nicht wahrnimmt.
Als Beispiel sei die Duschszene in Psycho genannt. Eine Frau steht unter der Dusche, das Wasser läuft und sie hört nichts außer dem Plätschern. Plötzlich nähert sich eine Hand, die ein langes, blitzendes Messer umschließt und sich langsam auf den Duschvorhang zu bewegt. Die Nerven sind zum Zerreißen gespannt, die Spannung knistert. Man würde am liebsten anfangen zu schreien und der Frau zurufen, daß da jemand mit schlechten Absichten lauert. Leider sind alle Versuche dieser Art zwecklos und die Dinge nehmen ihren weiteren Lauf...
Rollenspiel ermöglicht es, selber in eine Rolle hinein zu schlüpfen und spannende Abenteuer zu erleben. Man kann direkten Einfluß auf das Geschehen nehmen und sieht nicht hilflos dabei zu, wie der Lieblingsheld einen fatalen Fehler macht.
In der Umsetzung sieht ein Rollenspiel dann so aus: eine Gruppe von Menschen (zwischen 2 und 6 Spieler sind üblich) sitzt in gemütlicher Runde zusammen und unterhält sich (Kekse, Chips und Cola anbei sind häufig). Einer von ihnen (der Spielleiter) hat ein aufgeschlagenes Buch (das Abenteuer) vor sich, dem er die nötigen Informationen entnimmt, um die anderen in einer Geschichte agieren zu lassen. Die übrigen Spieler sind mit Würfeln, Papierbögen und Bleistiften ausgerüstet. Jeder der Spieler verfügt über eine Figur (den Charakter), die er lenkt. Mit Bleistiften werden Notizen gemacht und mit Würfeln wird im Spiel über Erfolg oder Mißerfolg entschieden.
Kann ich Rollenspiele spielen?
Prinzipiell ist jeder dazu in der Lage, Rollenspiele zu spielen, wenn er nur über etwas Phantasie und Vorstellungsvermögen verfügt. Es hat sich allerdings als hilfreich erwiesen, wenn man keine Abneigung gegen Bücher hegt und sich gerne mit anderen Menschen unterhält. Es ist notwendig, gerne in der Gruppe zu arbeiten und zu agieren, denn alleine wird Rollenspiel sehr schnell langweilig.
Sind Rollenspiele teuer?
Der Preis der unterschiedlichen Rollenspielsysteme variiert sehr stark, so daß man sich schwer auf eine allgemeingültige Summe festlegen kann. Um mit dem Rollenspiel zu beginnen, sollten DM 100 für den Anfang genügen. Später können Quellenbücher hinzukommen, die das Rollenspiel noch erweitern. Es besteht aber kein Kaufzwang zu solchen Büchern, da alles Grundlegende in dem Basiswerk enthalten sein sollte.
Sind Rollenspiele gefährlich?
In den vergangenen Jahren machten immer wieder Geschichten von Menschen die Runde, die durch Rollenspiele zu Extremtaten verführt worden sein sollen. Es gab Berichte über Selbstmorde, Attentate und Hinrichtungen, die den Rollenspielen angelastet wurden. Eine Verbindung von Rollenspielen zum Satanismus wurde ebenfalls hergestellt.
Niemand kann diese Anschuldigungen einwandfrei zurückweisen. Jemand, der sich extrem dem Rollenspiel zuwendet, hat vielleicht das Potential dazu, sich der Realität abzuwenden, was sich in oben genannten Beispielen äußert. Wenn es sich tatsächlich so verhalten sollte, handelt es sich dabei nicht um den Normalfall. Rollenspiel ist ein Hobby, das in der Freizeit Spaß und Unterhaltung bringen soll. Seitdem ich mich mit Rollenspielen beschäftige, habe ich schon gegen unzählige Zombies, Skelette und Dämonen gekämpft, ohne dabei jemals an Selbstmord oder Satanismus zu denken. In der Tat kenne ich niemanden, der Rollenspiele spielt und deswegen zu Satan betet oder sich die Pulsadern aufgeschnitten hat. Es handelt sich dabei um eine kleine Minderheit, und so wird es vermutlich auch immer bleiben.
(chr)